TTFachhochschule Frankfurt am Main / University of Applied Sciences
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Konzepte für ein selbständiges Alter

Stuttgarter Zeitung online vom 07.02.2005

 

"Barrierefreie Systeme"
Konzepte für ein selbstständiges Alter

Eine Zukunftsaufgabe wird zum fachübergreifenden Berufsfeld

Die Zahl der älteren Menschen in Deutschland wächst. Dies wirkt sich nicht nur auf unsere Sozialsysteme aus: So manche Wohnungsbaugesellschaft steht heute vor dem Problem, dass sie bestehende Häuser diesen Bedürfnissen anpassen muss. Treppenaufgänge bis hin zu schwer erreichbaren Steckdosen sind nur zwei der vielen Probleme, mit denen ein Mensch konfrontiert sein kann, der auf Grund seines Alters - oder einer Behinderung - beeinträchtigt ist.

Die Fachhochschule Frankfurt am Main greift den Bedarf an Fachleuten auf und beginnt zum Sommersemester einen Master-Studiengang "Barrierefreie Systeme". Das Studium dauert vier Semester und ist interdisziplinär angelegt: Drei Fachbereiche - Architektur, Informatik und Ingenieurwissenschaften, Pflege und Sozialwissenschaften - gestalten das laut Fachhochschule "deutschlandweit einmalige" Angebot gemeinsam. Der Begriff barrierefrei taucht im Behindertengleichstellungsgesetz auf. Darunter versteht man bauliche und technische Einrichtungen, die ältere oder behinderte Menschen ohne Erschwernis und ohne fremde Hilfe nutzen können und die ihnen den Alltag erleichtern: mit dem Ziel, die Selbstständigkeit trotz Handicap aufrechtzuerhalten.

Der interdisziplinäre Studiengang bietet drei Schwerpunkte. "Barrierefreies Planen und Bauen" richtet sich an Hochschulabsolventen der Studiengänge Architektur, Städtebau oder Innenausbau, "Intelligente Systeme zur Lebenshilfe" (Smart Ambient Computing) an Absolventen der Informatik oder Ingenieurwissenschaften und "Case Management" an Absolventen der Studienrichtungen Pflege, Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Ergo- und Physiotherapie. Alle Bewerber müssen einen Abschluss (Diplom, Bachelor) mit einem Notenschnitt von wenigstens 2,3 und einer mindestens sechssemestrigen Studiendauer vorweisen können.

Vom zweiten Semester an arbeiten die Studenten fachübergreifend an Projekten, entwerfen oder optimieren barrierefreie Konzepte. Durch die gemeinsame Projektarbeit sollen sie ein tieferes Verständnis für die Situation eines Menschen mit Einschränkungen und den daraus resultierenden Bedarf entwickeln: Nicht alles, was technisch machbar ist, empfindet eine Pflegefachkraft als notwendig, nicht alles kann ein Architekt bei begrenztem Raumangebot einplanen.

"Sowohl Wohnbaugesellschaften als auch Bauämter der öffentlichen Hand, Architekturbüros und Handwerksunternehmen werden künftig an solchen Fachleuten Bedarf haben", sagt Professor Michael Volz, Dekan des Fachbereichs Architektur, Bauingenieurs- und Vermessungswesen und Mitinitiator des interdisziplinären Studiengangs.

Die Architekten- und Handwerkskammern befassen sich seit längerem mit dem Thema Barrierefreiheit, und auch so manches Bundesland hat inzwischen Arbeitskreise zum "Wohnen im Alter" eingerichtet. Dabei kann es um so vermeintlich banale Probleme gehen, wie Wasserhähne gestaltet werden müssen, damit sie gut zu greifen sind, oder Badewannen, damit auch für gebrechliche Menschen der Ein- und Ausstieg nicht zur Tortour wird.

Der Studiengang beginnt jährlich zum Sommersemester, Bewerbungsschluss ist der 15. Februar. Die Auswahlgespräche finden bis Mitte März statt. Da es sich formal um kein Zweitstudium handelt, ist die Weiterbildung kostenlos. Laut Fachhochschule liegen aus den drei Fachrichtungen derzeit jeweils sechs bis acht Anmeldungen vor, primär handelt es sich dabei um Absolventen aus dem eigenen Haus. Das Zustandekommen des Studiengangs ist gesichert. Seine Teilnehmerzahl ist auf maximal 54 beschränkt, wobei darauf geachtet wird, dass aus jeder Fachrichtung ungefähr gleich viel Personen teilnehmen, damit die interdisziplinären Projekte sinnvoll durchgeführt werden können.

Der Master-Studiengang lässt sich auch berufsbegleitend absolvieren. Präsenzveranstaltungen finden vierzehntäglich donnerstags statt sowie freitags alle drei Wochen. Zusätzlich wird es Videokonferenzen per Internet geben.

www.fh-basys.de

Michael Vogel, Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten
07.02.2005 - aktualisiert: 07.02.2005, 15:33 Uhr