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Lokale Identitäten in der globalen Stadtregion.

Forschungsstudie und Buchpublikation 2006 

Globale Stadtregionen sind komplexe, metropolitane Gebilde, deren ausdifferenzierte Funktionen und Gestalten aus einer engen Verflechtung mit lokalen und globalen Entwicklungen in Ökonomie und Politik entstehen. Was die „alte“ Stadt noch durch eine reiche Nutzungsvielfalt auf engstem Raum leistete, verteilt sich in den zeitgenössischen urbanen Agglomerationen, auch lebensräumlich, auf ein weitläufiges Territorium Dabei bilden sich, jenseits der klassischen Kernstädte, neue Knoten- und Aktivitätspunkte als „dezentrale“ Brennpunkte des Alltagslebens heraus, welche vielfach Aufgaben der traditionellen Stadtzentren übernehmen, vor allem in Bezug auf Konsum, Dienstleistungen, Freizeit und Erholung. Anhand von ausgewählten Beispielen aus der „Stadtregion Rhein-Main“ werden in der Forschungsstudie von Prof. Dr. Michael Peterek und Dr. Thorsten Bürklin solche „alltagsrelevanten Orte“ regionaler Ausstrahlungskraft – als „Zentren außerhalb der Zentren“ – in ihren gestalterischen, funktionalen, sozialen und kulturellen Bestimmungen analysiert. 

Wissenschaftlicher Kontext

Die Studie ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Abschnitt geht es um den wissenschaftlichen Kontext. Dabei werden zunächst die zentralen Bestimmungsfaktoren und physischen Erscheinungsformen zeitgenössischer Verstädterung beschrieben; anschließend wird ein Überblick über die wichtigsten theoretischen Arbeiten gegeben, die sich gegenwärtig mit dem Phänomen der „globalen Stadt“ beschäftigen.  

Die Stadtregion Rhein-Main

Buchcover
Buchcover
Siedlungsflächen Rhein-Main
Siedlungsflächen
Stadtlandschaften
Stadt-Landschaften

Der zweite Teil vermittelt – auf einer großmaßstäblichen Betrachtungsebene, in Texten, Fotos, Struktur- und Themenkarten – ein Grundverständnis der Entwicklung, der Raumstruktur und der Nutzungsweisen des Agglomerationsraums Rhein-Main, der in vielerlei Hinsicht die Eigenschaften einer globalen Stadtregion besitzt. Keines der hier angesiedelten traditionellen städtischen Zentren wäre, für sich allein betrachtet, in der Lage, das ökonomische, politische, gesellschaftliche und ideelle Potential zu entwickeln, welches aus dem Zusammenspiel der nahezu 450 Gemeinden und Städte sowie den etwa fünf Millionen Einwohnern der „Europäischen Metropolregion Rhein-Main“ entsteht.

Die Siedlungs- und Kulturlandschaft hat sich, wie in anderen Stadtregionen auch, während der letzten Jahrzehnte entscheidend verändert. Indem neben den etablierten, traditionellen Zentren eine Vielzahl an neuen Aktivitätspunkten und regional bedeutsamen Orten entstand, wurden althergebrachte Funktions- und Gebrauchsweisen sowie die gewohnten Bilder der Stadt (und der dörflichen Ansiedlungen) grundlegend in Frage gestellt. Aus dem ehemaligen „Draußen“, d.h. vor der Stadt bzw. vor dem Dorf, ist längst ein „Dazwischen“ geworden, das als stadtregionaler Siedlungszusammenhang Fragmente ganz unterschiedlicher Art und Qualität zur Verfügung stellt: Einkaufszentren und Dienstleistungsparks, ins „Grüne“ gebaute Wohnsiedlungen und Bereiche noch „freier“, unverbauter Natur, historische Stadtkerne und „ephemere“ Orte des gegenwärtigen, hochmobilen Lebens, wie S-Bahn-Haltestellen, Straßen, Schienenanlagen, aber auch die infrastrukturellen Großeinrichtungen für Freizeit-, Sport- und Kulturevents bilden gemeinsam eine weiträumige Matrix funktional und ökonomisch untereinander konkurrierender und sich ergänzender Orte. Die zeitgenössische Stadtregion ermöglicht (und evoziert) vielfältige und vieldeutige Raumerfahrungen, die auf Aktivitätsmuster und individuell ganz unterschiedlich „getaktete“ Tagesabläufe hinweisen, welche längst nicht mehr auf das Umfeld einer einzigen Kommune beschränkt bleiben, sondern auf das gesamte Territorium der Stadtregion als dem alltäglichen Bewegungs- und Betätigungsfeld ihrer Bewohner verweisen. 

Zentren außerhalb der Zentren. Fünf Fallbeispiele

Im dritten Teil schließlich werden – anhand von detaillierten Einzelstudien – fünf „alltagsrelevante Orte“, jenseits der traditionellen Stadtzentren, in ihrer Entwicklung, regionalen Einbindung, Struktur, Nutzung sowie räumlich-architektonischen Erscheinungsform untersucht:

  • die erste, nach amerikanischem Vorbild, im Jahr 1964 in Europa auf der grünen Wiese errichtete Shopping Mall, welche heute – auf Vielfalt und urbanes Ambiente getrimmt – die historische Stadt imitiert: Die Shop-Polis. Main-Taunus-Zentrum (MTZ)
Main-Taunus-Zentrum
Main-Taunus-Zentrum
Main-Taunus-Zentrum
Imitation urbaner Vielfalt.
  • ein „unter der Hand“ zur großflächigen Einzelhandelsagglomeration mit wachsendem Serviceangebot mutiertes Gewerbegebiet: Sprawl City. Kommerzielle Mitte Dreieich-Sprendlingen
Kommerzielle Mitte
Dreieich-Sprendlingen
Kommerzielle Mitte in Dreieich-Sprendlingen
in Dreieich-Sprendlingen
  • eine mittlerweile gealterte Neustadtgründung der 60er Jahre: Die vergessene Stadt. „Neue Stadtmitte“ Schwalbach am Taunus
"Neue Stadtmitte" Schwalbach a.T.
Die vergessene Stadt.
  • ein traditionsreicher, historischer Stadtkern, liebevoll restauriert und inszeniert, der heute unser Bedürfnis nach identitätsstiftenden Konstanten in einer immer haltloseren Welt bedient: Die alte Stadt. Dreieichenhain
Identitätsstiftende Räume, alter Ortskern Dreieichenhain
Identitätsstiftende Räume
Die alte Stadt Dreieichenhain, Ortsmitte
Die alte Stadt Dreieichenhain.
  • eine ehemals industriell genutzte Landschaft, die zu einer idyllischen, unter Landschafts- und teilweise Naturschutz stehenden „Seenplatte“ umgebaut wurde: Jenseits der Stadt. Dietesheimer Steinbrüche.
Deitesheimer Steinbrüche
Deitesheimer Steinbrüche
Deitesheimer Steinbrüche
Regionaler Freizeit-Ort

Literaturhinweise

Die Forschungsstudie "Lokale Identitäten in der globalen Stadtregion. Alltagsrelevante Orte im Ballungsraum Rhein-Main" von Prof. Dr. Michael Peterek und Dr. Thorsten Bürlin ist unter gleichnamigem Titel auch als Buchpublikation im IKO-Verlag Frankfurt a.M.  erschienen (2006, 192 S., zahlreiche Abb.) und bei den Autoren für 10 Euro erhältlich.


Weitere Artikel zum Thema:

Thorsten Bürklin, Michael Peterek
Die Zykloregion - Periphere Zentren in der Stadtregion Rhein-Main. In: Andrea Dittrich-Westbuer, Wolfgang Knapp, Frank Osterhage (Hg.), Posturbanisierung und die Renaissance der (Innen-)Städte. Neue Entwicklungen in der Stadtregion, Verlag Dorothea Rohn: Detmold 2010,  S. 63-77

Thorsten Bürklin, Michael Peterek
Simulation und die nackte Wahrheit. In: Bürklin / Kreisl / Peterek, Orte öffentlichen Lebens in der Stadtregion, IKO-Verlag Frankfurt a.M. 2007, S. 53-64

Thorsten Bürklin, Michael Peterek
Jenseits von Echt und Unecht. Fließräume in der globalen Stadtregion. In: werkundzeit. Zeitschrift des Deutschen Werkbundes, 1-2/2005, S. 26-33

Thorsten Bürklin, Michael Peterek
Neue Zentren außerhalb der Zentren. In: PLANERIN. Fachzeitschrift für Stadt-, Regional- und Landesplanung, 3/2005, S. 34-35

Michael Peterek
Centres Beyond the Centre. New Public Spaces at the Urban Fringe. In: Cracow University of Technology, Public Space of Contemporary City, vol. 2, 10th International Conference of Institute of Urban Design, 2005, S. 34-35