TTFachhochschule Frankfurt am Main / University of Applied Sciences
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Exploring the Public City.

Ein internationaler städtebaulicher Workshop an der TU Krakau

Die Definition und Gestaltung der öffentlichen Räume zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Städtebaus. Es sind diejenigen Bereiche der Stadt, die – jenseits der privaten Parzellen und Einzelgebäude – von allen Bewohnern jederzeit begangen und genutzt werden können. Sie dienen, über ihre Erschließungsfunktion hinaus, der sozialen Kommunikation und Interaktion, dem Handel und Konsum, Aktivitäten der Kultur und der Freizeit und haben somit auch eine zentrale Bedeutung für den Zusammenhalt und die Integrationsfähigkeit einer Stadt. Städte, die uns als qualitätvoll in Erinnerung haften, sind zumeist Städte mit klar ausgeprägten öffentlichen Bereichen.

Ein mehrjähriges internationales Hochschulprojekt

„Exploring the Public City“ ist ein gemeinsames internationales Projekt von sechs europäischen Hochschulen: der Hogeschool van Amsterdam, der TU Krakau, der TU Delft, der TFH Berlin, dem Polytechnic of Copenhagen und der FH Frankfurt am Main. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg sollen dabei Fragen und Aspekte einer zeitgemäßen Planung und Gestaltung der öffentlichen Räume in der Stadt anhand von beispielhaften Projekten und Quartieren thematisiert, erforscht, bewertet und vergleichend dokumentiert werden.

Nachdem ein erster Workshop im Jahr 2005 in Amsterdam zum Thema „Urbanisierung der Vorstädte“ – am Fallbeispiel der Stadt Almere – stattgefunden hatte, stand 2006 das „Erbe der Großsiedlungen der Moderne“ im Mittelpunkt der Betrachtungen. Als Vorbereitung auf das gemeinsame Projekt haben sich alle Hochschulen vorab mit ausgewählten Siedlungen der Nachkriegsmoderne in ihrer jeweiligen Stadt auseinandergesetzt: So wurden u.a. die Nordweststadt in Frankfurt a.M., das Märkische Viertel und die Gropiusstadt in Berlin sowie die Siedlung Bijlmermeer in Amsterdam untersucht.

Ursprungsplanung Nova Huta
Zentralplatz in Nowa Huta
Durchgang zum

Nachbarschaftsplatz mit Läden

Die Fallstudie Nowa Huta

Gemeinsames Anschauungs- und Untersuchungsobjekt im Jahr 2006 war die „Neue Stadt“ Nowa Huta bei Krakau in Polen. 1949 als „Modellstadt des Sozialismus“ in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Stahlwerks geplant und zunächst gemäß den Vorstellungen eines „sozialistischen Realismus“ nach eher „konservativen“ Stadtbauprinzipien mit geschlossenen Plätzen, Blöcken und Straßenzügen realisiert, ist Nowa Huta in den folgenden Jahrzehnten in unterschiedlichen Planungs- und Bauabschnitten bis auf heute etwa 250.000 Einwohner angewachsen.

Der Workshop in Krakau

An dem Projekt, das vom 7. bis 21. Mai an der Fakultät für Architektur der TU Krakau durchgeführt wurde, haben insgesamt 50 Studierende und 10 Professoren der beteiligten Hochschulen teilgenommen, davon neun Studierende aus Frankfurt, begleitet und betreut von Prof. Dr. Michael Peterek und Prof. Wolfgang Rang.

Der Workshop war in zwei Teile gegliedert, wobei die Studierenden in international gemischten Gruppen von jeweils zehn Personen zusammengearbeitet haben.

Arbeitsraum der TU Krakau

In der ersten Woche ging es zunächst um die Analyse und Bewertung der heutigen Situation von Nowa Huta, seiner baulichen und städtebaulichen Strukturen sowie des Zustands, der Funktionen und der Bedeutung seiner öffentlichen Räume. Dabei wurden insgesamt fünf Bearbeitungskategorien definiert und kartiert: „offizielle öffentliche Räume“ (Plätze und Boulevards), „kommerzielle Räume“ (Einkaufszentren u.ä.), „grüne Räume“ (Parkanlagen und Sportflächen), „infrastrukturelle Räume“ (das Erschließungsnetz) und „informelle Räume“. Begleitend zu den Feldstudien vor Ort und zur Arbeit im für das Projekt eigens von der TU Krakau zur Verfügung gestellten Computerraum, fand ein Vorlesungs- und Vortragsprogamm statt, bei dem mit Prof. Stanislaw Juchnowicz u.a. einer der Ursprungsplaner von Nowa Huta zu Gast war.

Aufbauend auf diesen Untersuchungen war die zweite Woche des Workshops dann der Konzeption und dem Entwurf von Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Räume, ihrer Gestaltung und ihrer Gebrauchsfähigkeit in Nowa Huta gewidmet. Das Spektrum der Planungsvorschläge reichte dabei von kleinen Eingriffen im Detail bis hin zu umfassenden Konzepten für ein neues Image und Leitbild dieser Satellitenstadt. Alle Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Veröffentlichung der beteiligten Hochschulen dokumentiert, die im Oktober 2006 erscheinen wird.

Im Jahr 2007 wird das internationale Projekt „Exploring the Public City“ mit dem thematischen Schwerpunkt „Stadt des Industriezeitalters“ am Standort Berlin fortgesetzt werden.

Projektstudien