TTFachhochschule Frankfurt am Main / University of Applied Sciences
Hilfe Suche RSS FH Frankfurt auf Facebook

Vorentwurf zur Grauwasserbehandlung in Ger-Siedlungen in Ulaan Bator, Mongolei

Gestalten und Berechnen verschiedener Behandlungsmethoden für Grauwasser in vier Ger-Siedlungen

Diplomarbeit im Wintersemester 2010/2011

Bearbeitet von André Schüßler (andre.schuessler@gmx.net )
Betreut durch Prof. Dr. -Ing. Monika Horster, Fachhochschule Frankfurt am Main

Durch eine starke Migration vom Land zur Stadt, erlebt Ulan Bator einen raschen Zuwachs an Einwohnern. Die Neuankömmlinge lassen sich überwiegend mit ihren Yurten (Ger) am Stadtrand, in informellen Ger-Siedlungen nieder. Ca. 60% der 1 Millionen zählenden Bevölkerung lebt in Ger-Siedlungen. Die hier lebenden Menschen leiden an schlechter Stadtplanung und dem Mangel an essentieller Infrastruktur und Dienstleistungen. Der Zugang zu Trinkwasser beschränkt sich auf sogenannte „Wasserkiosks“. Diese Art der Beschaffung ist eine arbeitsintensive, zeitaufwändige und durchaus gefährliche Angelegenheit. Der durchschnittliche Trinkwasserkonsum liegt bei 4-10 Litern pro Tag und Person. Somit liegt der Verbrauch wesentlich unter dem internationalen Minimum.Die gebräuchlichsten Sanitäreinrichtungen sind einfache Latrinen. Die unzulänglichen sanitären Bedingungen gepaart mit geringer Körperpflege und geringem Wasserkonsum führen zu einem raschen Anstieg an Krankheiten wie Hepatitis A und Ruhr. Untersuchungen haben ergeben, dass es potentielle Möglichkeiten gibt, welche einen Zugang zu verbesserten Sanitäreinrichtungen ermöglichen. Diese jedoch bedürfen einer Testphase um sie flächendeckend zu implementieren.

Aktuelle Grauwasser Situation
Ger Areal
Trinkwasser Kiosk
Baugrunduntersuchung
Kind aus der Siedlung

 

Im Jahre 2009 startete die französische Nicht Regierungs-Organisation (NGO) Action Contre la Faim (ACF) ein innovatives Projekt im Bereich Zugang zu Wasser, Sanitäreinrichtungen so wie Hygiene-Schulung. Unter anderem sollen Erfahrungen mit zahlreichen technischen Optionen gemacht werden, welche an die Bedingungen in den Ger-Siedlungen in Ulan Bator angepasst sind.
Mitglieder der University of Science and Technology Beijing - Center for Sustainable Environmental Sanitation (USTB – CSES) führten im Frühling 2010 eine Studie zur Anpassung verschiedener Technologien zur Grauwasserbehandlung und Beseitigung menschlicher Fäkalien durch. Im Zuge dieser Studie wurden verschiedene Grauwasser-Parameter bestimmt, welche als Grundlage für die vorliegende Diplomarbeit dienen.
Im November 2010 wurden vier Örtlichkeiten in Ulan Bator von ACF ausgewählt, welche von Mitgliedern der USTB – CSES hinsichtlich bautechnischer Aspekte untersucht wurden. Die Untersuchungen wurden unter Mitwirkungen des Verfassers der vorliegenden Diplomarbeit durchgeführt. Die hier gewonnen Daten sind eine weitere Grundlage für die entstandene Abschlussarbeit.

Die gestellte Aufgabe an den Autor der Arbeit war es, eine Auswahl, sowie Vorentwürfe und Berechnungen für vier angepasste Grauwasser Behandlungs- Anlagen, zu erstellen. Ein wesentliches Augenmerk lag auf der Gestaltung verschiedener Verfahren, um den unterschiedlichen geologischen und sozialen Rahmenbedingungen der vier untersuchten Örtlichkeiten gerecht zu werden.

Wesentliche Herausforderungen bei der gestellten Aufgabe waren die klimatischen Bedingungen, sowie die erwarteten Investitions-/ Betriebskosten einer Anlage so gering wie möglich zu halten. Grauwasser wird als Ressource betrachtet, welche aufbereitet zur Bewässerung genutzt werden kann. Alle gestalteten Anlagen reinigen das Grauwasser mindestens bis zur Ablaufqualität welche von der Weltgesundheitsorganisation für den Gebrauch von Abwässern in der Landwirtschaft vorgegeben wird.
Durch die Nutzbarmachung des Grauwassers zur Bewässerung kann die Abhängigkeit von Frischwasser reduziert werden. Weiter kann die korrekte Nutzung des gereinigten Grauwassers als ein Beitrag zur Nahrungssicherheit gesehen werden, da nährstoffreiches Wasser für private Gärten zur Verfügung gestellt wird.