TTFachhochschule Frankfurt am Main / University of Applied Sciences
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Analyse der Nutzbarkeit von Web 2.0 in der Geoinformationswirtschaft und praktische Umsetzung an einem Beispiel

Bachelorarbeit im Sommersemester 2007

Philipp Winkemann

Betreut durch Prof. Dr.-Ing. Robert Seuß
Koreferat Prof. Dr.-Ing. Gerd Kehne

Die Tatsache, dass das Internet kein statisches Medium ist, sollte jedem bekannt sein, der schon einmal mit diesem in Kontakt gekommen ist. Die Inhalte des Internets verändern sich stetig und die Entwicklung der Software und Technologien wird immer weiter voran getrieben. Seit dem ersten Popularitätsschub des Internets, durch den ersten grafikfähigen Browser im Jahr 1993, sind viele Änderungen in das Wold Wide Web eingeflossen. Die neueste darunter ist der Trend des Web 2.0. Das Web 2.0 beschreibt eine neue Einstellung zur Wahrnehmung und Nutzung des Word Wide Webs.
So war es bis vor Kurzem nur möglich, die Inhalte einer Seite zu konsumieren. Eine einfache Art der selbstständigen Mitarbeit an einer Homepage war ohne Weiteres nicht möglich. Die Kommunikation fand im Allgemeinen nur, ausgehend von der Internetseite, in die Richtung des Nutzers statt.

Mit dem Aufkommen der ersten Web 2.0 Seiten im Internet wurde der Nutzer in die Lage versetzt, sich selbst an der Seite zu beteiligen. Am Beispiel der Wikipedia, einer online Enzyklopädie, hat der Nutzer nun selbst die Möglichkeit einzelne Artikel der Wissenssammlung zu erstellen oder zu verändern. Ein anderes Beispiel hierfür sind die Portale von Youtube oder Flickr. Der Nutzer stellt hier der Internetgemeinde seine eigenen Videos oder Bilder zur Verfügung. Ohne diesen „User Generated Content“ stellen die angesprochenen Seiten nur das technische Grundgerüst dar. Erst die Mitarbeit des Nutzers füllt die Seiten mit Leben. Webseite und Nutzer geben und nehmen voneinander.

Eine Neuerung des Web 2.0 ist das Wiki. Wie schon im Beispiel von Wikipedia beschrieben, bildet dieses einen Wissenspeicher. Je nach angesprochener Benutzergruppe oder nach einem festgelegten Umfang sammelt sich hier Wissen rund um ein Thema. Ein Beispiel aus dem Bereich der Geoinformatik ist das GIS-Wiki, welches auf rund 1000 Seiten Informatio-nen rund um die Geoinformatik bereit hält. Um die Fortschreibung kümmern sich in diesem Portal fast 600 Autoren. Durch eine leicht erlernbare Sprache zur Erstellung der Seiten und durch diverse technische Erweiterungen erreichen die Wikis ihre Popularität.
Der Einsatz von Wikis im Bereich von Unternehmen ist ebenso möglich. Hier können sie intern genutzt werden, um beispielsweise das Wissen des Unternehmens aus Projektarbeiten zu speichern und unternehmensweit verfügbar zu machen. Ebenso bietet es sich für verschiedene Organisations- und Koordinationsmaßnahmen an. Es finden sich mittlerweile spezielle „enterprise wikis“ auf dem Markt, die auf eine Verwendung in Firmen ausgerichtet sind.

Weblogs (oder auch Blogs) sind ebenfalls Teile des Web 2.0. Bei diesen führt der Autor eine Art Tagebuch. In den Anfängen bewegten sich die Themen der Blogs noch rund um das Internet, daher auch Web (für World Wide Web) und Log (für Logbuch). Mittlerweile werden breite Themengebiete rund um die Interessen des Autors abgedeckt. Dem Autor steht der zeitliche Abstand zwischen zwei Beiträgen frei, er sollte aber nicht größer als einen Monat sein, da sonst das Interesse der Besucher schwindet. Die Besucher bekommen die Beiträge meist in umgekehrt chronologischer Reihenfolge präsentiert, um die Übersicht zu wahren werden ältere Beiträge archiviert. Bei den meisten Blogs haben sie jedoch die Möglichkeit, einen Kommentar zu den Beiträgen im Blog zu verfassen.

 

Web 2.0
Beispiel für einen Weblog
Flickr-Portal
Wiki: GDI Südhessen

 

Ein Blog bietet auch Firmen die Möglichkeit, die interne und externe Kommunikation zu verbessern. Ein externer Blog, zum Beispiel geführt als Mitarbeiter Blog, kann eine interessante Schnittstelle zwischen Kunde und Betrieb darstellen. In dieser Art des Blogs berichten die Mitarbeiter eines Unternehmens von besonderen Ereignissen während der Arbeit. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Blog der Firma Frosta1.

Eine dritte „Erfindung“ des Web 2.0, sind die Podcasts. Dieses Kunstwort beschreibt das zur Verfügung stellen von selbst aufgenommenen Audio-Beiträgen über das Internet. Der Ersteller der Podcast, der Podcaster, hat hierbei die Möglichkeit, die Beiträge zu bestimmten Themen zu verfassen.
Neben den privaten Podcasts werden häufig Podcasts zu TV-Sendungen oder von Firmen angeboten. Im Bereich der Nutzung in Unternehmen lassen sich Podcasts gut zur Werbung für ein bestimmtes Gut einsetzen.

Ein Newsfeed, aufbauend auf den Standards RSS oder Atom, dient dem Bereitstellen von Neuigkeiten. Diese werden in einem XML-Dokument bereit gestellt. Der Nutzer kann sich die verschiedenen Feeds bei Interesse abrufen. Feeds werden benutzt, um bei Wikis, Blogs oder Podcasts auf neue Inhalte hinzuweisen.

Die Geoinformationswirtschaft nutz heute schon teilweise die Neuerungen des Web 2.0. Zu erwähnen ist hier besonders der Softwarehersteller ESRI. Dieser bietet auf der englischsprachigen Homepage vier Blogs und zwei Podcasts an. Diese sind zentral über die Seiten der ESRI User Community2 zu erreichen.
Von vielen Firmen im Bereich der Geoinformationswirtschaft werden RSS-Feeds angeboten. Weitere Angebote finden sich selten. Erwähnenswert ist noch das GIS-Wiki3 , welches eine Wissensammlung rund um die Geoinformatik darstellt.

Um die Verwendung eines Wikis während einer Projektarbeit zu testen, wurde ein Wiki für die GDI-Südhessen eingerichtet. Die GDI-Südhessen besteht aus 5 Kommunen und Landkreisen, welche mit Hilfe einer Geodateninfrastruktur Geodaten über das Internet verteilen möchten. Um die Arbeit der GDI-Südhessen zu erleichtern, wird das MediaWiki installiert. Die Teilnehmer der GDI-Südhessen können hier ihre Termine, Rahmenpapiere und Protokolle ablegen. Um den Einstieg in die Benutzung des Wikis so einfach wie möglich zu gestalten, werden beispielhaft Einräge erstellt und eine Vorlage zum Erstellen von Protokollen ausgearbeitet. Eine mögliche Gliederung der Inhalte soll den Mitgliedern zur Orientierung dienen.

1www.blog-frosta.de
2esri.com/usercommunity/index.html
3www.giswiki.org