Fachhochschule Frankfurt am Main / University of Applied Sciences
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Bilanz der Befragung "Zukunftswerkstatt Deutschland"

Die Diskussion über den demografischen Wandel hat Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit im Sturm erobert. Im Jahr 2008 widmete die ARD eigens ihre Themenwoche der Alterung und Schrumpfung der  Bevölkerung. Heute weiß eigentlich jeder, was mit dem Begriff demografischer Wandel gemeint ist. "Das ist so nicht richtig", widerspricht Sven Stadtmüller vom Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) an der Fachhochschule Frankfurt: "Nur 54% unserer Befragten kennen den Begriff mit Gewissheit", zitiert er Ergebnisse aus der Umfrage "Zukunftswerkstatt Deutschland".

Die Zukunftswerkstatt ist eine für die Bevölkerung des Landes Hessen repräsentative Befragung des FZDW, an der sich insgesamt rund 700 Bürger aus dem ganzen Bundesland beteiligten. In den Fragen wurden zahlreiche Themenbereiche angesprochen: Es ging um Einstellungen zu Kindern und älteren Menschen, aber auch um Mediennutzung, politische Einstellungen und eben um den demografischen Wandel. Zwar kennen fast 86% der (Fach-)Hochschulabsolventen diesen Begriff. Blickt man aber in die Gruppe der Befragten mit Hauptschulabschluss sind es gerade einmal 28%. Der demografische Wandel ist somit eindeutig noch immer ein Thema, das vorrangig in den höheren Bildungsschichten diskutiert wird. Und dort, so zeigt die Umfrage ebenfalls, herrschen Ängste vor: Probleme mit der Rente, die Überalterung (oder auch Vergreisung) der Bevölkerung oder das Geburtendefizit ist das, was den Hessen als erstes in den Sinn kommt, wenn vom demografischen Wandel die Rede ist. Kein Wunder also, dass nur 10% der Befragten der demografischen Entwicklung etwas Positives abgewinnen können, während für rund 55% eindeutig die negativen Aspekte dominieren.

Diese Ängste und negativen Bewertungen, die sich auf die Entwicklung der Gesellschaft beziehen, basieren aber keineswegs auf einem negativen Altersbild. Vielmehr herrschen eindeutig positive Einstellungen zu älteren Menschen vor. So betrachten nur 5% der Befragten ältere Menschen als eine "Last" für die Gesellschaft. Umgekehrt sind über 90% der Meinung, dass Ältere einen wertvollen Bestandteil der Gesellschaft darstellen. "Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen Jung und Alt, was dem Bild eines Konflikts zwischen den Generationen zum jetzigen Zeitpunkt klar widerspricht", bilanziert Stadtmüller. Mit Blick auf politische Orientierungen sprechen sich die Hessen mehrheitlich für eine gesteuerte Zuwanderung aus, halten eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit gesundheitlichen Ausnahmeregelungen für sinnvoll und zeigen eine klare Präferenz für das Modell der Bürgerversicherung, das auch Beamte und Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung integriert. Auch die Agenda 2010 wird von der Mehrheit der Hessen für notwendig erachtet. Dennoch wird moniert, dass besonders die sozial Schwachen die Verlierer dieser Reformen darstellen.

Schließlich lassen sich auch einige bedenkliche Tendenzen erkennen: So weisen z.B. rund 20% aller Hauptschulabsolventen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild auf. Dies zeigt sich u.a. in der Befürwortung von Aussagen wie "Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten" und "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet". Insgesamt sind es rund 10% der Befragten, die sich als anfällig für rechtsextremes Gedankengut erweisen.

Mindestens ebenso problematisch verhält es sich mit den Meinungen der Bürger zu Parteien und Politikern: "Man kann mindestens 20% der Befragten ein sehr hohes Maß an Politikverdrossenheit attestieren", so Stadtmüller. "Bei diesen Menschen dürften es Politiker und Parteien besonders schwer haben, Vertrauen zurück zu gewinnen."

Zum vollständigen Ergebnisbericht der Zukunftswerkstatt