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Ein paar kleine, nette Gedichte dürfen auch nicht fehlen

Von Tolkien aus dem Herrn der Ringe (ich habe "Roß und Reiter" vertauscht, das schien mir flüssiger, ebenso "schallend" statt "hallend") der sog. "Lament for the Rohirrim"

Wo sind Roß und Reiter und das Horn, das weithin schallende?
Wo sind Harnisch und Helm und das Haar, das glänzend wallende?
Wo ist die Hand an der Harfe? Wo ist das lodernde Feuer?
Wo nun Frühling und Herbst und voll reifen Kornes die Scheuer?

Lang vergangen wie Regen im Wald und Wind in den Ästen;
Im Schatten hinter den Bergen versanken die Tage im Westen.

Wer wird den Rauch des toten Holzes sammeln gehen
Oder die flutenden Jahre vom Meer wiederkehren sehen?

und da ja bekanntlich eine Übersetzung zu lesen so prickelnd ist wie einen Gobelin von hinten zu betrachten hier das Original:

Where now the horse and the rider? Where is the horn that was blowing?
Where is the helm and the hauberk, and the bright hair flowing?
Where is the hand on the harpstring, and the red fire glowing?

They have passed like rain on the mountain, like a wind in the meadow;
The days have gone down in the West behind the hills into shadow.

Who shall gather the smoke of the dead wood burning,
Or behold the flowing years from the sea returning?

Wilhelm Busch hat übrigens nicht nur Kinderbücher gemacht :

Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und's ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
"Bertha"
So vor mir in den Sand.

Und auch Theodor Fontane

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.

"Tage" von Ralph Waldo Emerson

Kinder der Zeit, die heuchlerischen Tage
Tanzen vermummt, barfüßig mir vorbei
Gleich stummen Derwischen in langer Reih.
Sie halten Diademe, halten Ruten in der Hand
Und reichen jedem, was er sich gewünscht,
Brot, Sterne, Königreiche, Himmel gar und Erd.
Aus meiner Gartenwildnis schaut' dem Pomp ich zu,
Vergaß der Morgenwünsche, langte hastig nur
nach Kräutern, Äpfeln. Schweigend ging der Tag
Von mir und schwand. Zu spät erst traf mich
Aus feierlichem Mummenschanz sein Hohn.

Vom gleichen Verfasser (obwohl sich die Gelehrten da streiten)

To laugh often and much;
To win the respect of intelligent people and the affection of children;
To earn the appreciation of honest critics and endure the betrayal of false friends;
To appreciate beauty, to find the best in others;
To leave the world a bit better, whether by a healthy child, a garden patch or a redeemed social condition;
To know even one life has breathed easier because you have lived.
This is to have succeeded.

Oft und viel zu lachen,
den Respekt intelligenter Menschen und die Zuneigung von Kindern zu gewinnen;
sich die Anerkennung ehrlicher Kritiker zu verdienen und den Verrat falscher Freunde zu ertragen;
Schönheit zu schätzen wissen;
im Anderen das Beste zu sehen;
die Welt, wenn man aus ihr scheidet,
ein wenig besser zurückzulassen,
sei es durch ein gesundes Kind, einen Garten
oder durch die Behebung eines sozialen Mißstandes;
zu wissen, dass man mit seinem Leben
auch nur einem einzigen Menschen
das Atmen erleichtert hat;

das heißt: Erfolg zu haben (Emerson)

Lebe wohl (Eduard Mörike)

"Lebe wohl!" - Du fühlest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.

Lebe wohl! Ach! tausendmal
Hab' ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!

Edgar Allen Poe - A Dream within a dream

Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow --
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand --
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep -- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?.

 


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g.m., 15.09.06