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Server mit Hindernissen

Was alles bei einer Serverinstallation passieren kann, lesen Sie in den folgenden Abschnitten. Vorab noch zur Info: Es ging um zwei Windows-NT Server, einer mit mehreren Prozessoren, viel Memory und einem RAID-System, sowie einem kleineren, ebenfalls mit RAID. Aus bestimmten projektbezogenen Gründen wurde alles von der Firma X bei Lieferanten Y bestellt.

Bestellung

Da wir recht genau wußten, was wir wollten, ging es sehr schnell zur Bestellung. Aber hier kam es zu den ersten Problemen. Nach der Auftragserteilung stellte sich heraus, das einige Positionen auf dem Angebot nicht richtig waren. Beispielsweise war in dem Server kein Platz um Platten aufzunehmen, aber dafür gibt es ja speziell Einschübe. Und auch einige Kabel waren nicht ganz so passend. SCSI ist halt nicht gleich SCSI. Interessanterweise wurde das Angebot aber vom Hersteller X ebenfalls kontrolliert!

Lieferung

Bis der Lieferant all die Brocken zusammen hatte, dauerte eine ganze Weile. Aber irgendwann kam ein Kleintransporter voll mit Serverzeug. Und der kam noch mal!  Da gab es ein Rack, eine USV (die sind verdammt schwer, diese Dinger!), und diverses Zeug, von dem ich net so wußte, wofür das alles da war. Zum Aufbau waren aber sowieso Techniker der Firma Y geordert, die würden schon wissen, was wo hin gehörte!

Inbetriebnahme des kleinen Servers

Da es sich um zwei Rechner handelte, einer davon netterweise auf Rollen und ohne große Arbeiten bootbar, hatte ich mit dem schon mal angefangen. Das RAID-System ließ sich sehr einfach installieren. Was nicht funktionierte war der Zugriff auf den RAID-Kontroller von einem anderen System. Laut nicht vorhandener Dokumentation sollte das aber gehen. Auch über die Gefahren bei einem RAID-System schwieg sich die Dokumentation aus. Keine Hinweise über Write-Back-Caching, Plattencache usw.

Neben der direkten Methode zum konfigurieren und kontrollieren des RAIDs gab es noch eine andere Möglichkeit für den Zugriff : SNMP. Praktischerweise war auch ein passendes Programm dafür beigelegt. Dummerweise verabschiedete sich ein Teil auf dem PC immer beim Start oder kurz danach. Und der RAID-Kontroller wollte auch nicht so recht mit SNMP. Aber der Server lief immerhin!

Und nicht vergessen, immer den ServicePak 3 nachzuziehen,  wen irgendwelche Systemkomponenten ergänzt werden! (Sonst fehlen Einträge in den DLLs und andere Nettigkeiten) Schön ist es immer wieder, wenn irgendwelche SW meint, im Systemverzeichniss DLLs durch andere ersetzten zu müßen. Warum das bei der Installation von Handbüchern nötig sein soll, möchte ich von der Firma X mal gerne wissen. (Wenigstens könnte ja eine Frage kommen, wenn die DLL sowieso durch eine andere [ältere!] ersetzt werden soll....) Selbstredend sind die Handbücher nicht in einem gängigen Format, das sich ohne speziellen Viewer lesen lässt!

Montage des großen Servers

Noch vor den Technikern stellte sich ein weiteres fehlendes Teil heraus: Eine normale Tastatur passe laut Hersteller X  nicht ins Rack. Zwar gab es dafür ein komfortionösen Drehtisch, aber laut Firma X gehörte eine spezielle Tastatur dazu - die nicht im Lieferumfang enthalten sei. Die Techniker hatten daher vorläufig eine normale Tastatur dabei. (Die übrigens sehr gut paßte!) Zugegeben, die richtige machte dann etwas mehr her, aber nötig wär es nicht gewesen, die hat auch keinen Knopf mehr als die andere! Aber schlanker ist sie, und das passt ja in usere Zeit!

Die beiden Techniker werkelten eine ganze Weile, murmelten was über nicht passende Auszugsschienen, fehlende Winkel usw... aber irgendwann war es so weit : Alles verbaut, verschraubt, verkabelt - und einschaltbereit. Alles ? Nicht alles - einige Kleinteile blieben übrig - für die Wühlkiste. (So eine gut gefüllte Kiste ist übrigens Gold wert!)

Inbetriebnahme des großen Servers

Mit den Sektgläsern in der Hand wurde der Hauptschalter des Systems umgelegt - es knallte - was nicht der Sektkorken war, sondern etwas anderes. Und es roch auch nicht nach Orangensaft, sondern nach verschmorter Elektronik. Erst hatten die beiden den Monitor im Verdacht, der natürlich dunkel blieb, aber ein schnell herbeigeschleppter andere Monitor zeigte das Gleiche, nämlich Nix! Eine genauere Untersuchung des Systems brachte auch kein befriedigendes Ergebnis. Also wurde der Server aus dem Rack montiert, und zum Lieferanten gebracht.

USV

Niedlich klein und doch so schwer - eine USV gehört zu einem Server! Also habe ich die USV für den kleinen Server in mein Zimmer zum Server geschleppt. Und dann feststellen müssen, das die Firma X einen speziellen Stecker für ihre Server verwendet, so das ein normales Kabel, wie es zu Hauf in den Wühlkisten eines jeden Komputerbenutzers herumliegt, nicht paßt. Natürlich war auch das der USV beigefügte Kabel unpäßlich. Naja, ein Anruf beim Lieferanten führte zur Brachialmethode : Schnipp Schnapp, und wir basteln uns ein USV-Kabel. Ach so, die USV war nicht von der Firma X sondern von der Firma Z!

Nach dem Kabel die Software. Leider keinerlei gedruckte Information darüber, was zu installieren ist. Aber eine CD! Ich liebe CDs. Also gleich mal eingelegt, und das Ding läuft los. Das kann ich nun aber gar nicht leiden. Egal - ein Wust an PDF-Dateien, und da ist ja auch die SW. In zwei Versionen, eine mit SNMP und eine ohne. Erst mal die Ohne ausprobieren, denn das mit der SNMP-SW klappt ja noch nicht so recht.

Leider klappt es auch ohne SNMP mit der SW nicht. Wenn das Kabel drauf steckt, wird der Server wegen fehlender Stromversorgung demnächst heruntergefahren - wenn das Kabel ab ist, sagt die SW "alles in Ordnung". So habe ich mir das nicht vorgestellt.

Dummerweise sind die Helpfiles in HTML - was ich mir eher für die Handbücher gewünscht hätte. Mit kontextbezogener Hilfe ist es da nicht weit her. Nun - es kann ja sein, daß das Kabel ne Macke hat - also habe ich es an einem anderen PC mit der im NT vorhandenen USV-SW ausprobiert. Komischerweise hat die SW der USV auf dem Server diese Funktion rausgeschmissen. Auf dem anderen PC - mit Bordmitteln - geht alles glatt. Mutig geworden habe ich auch dort die SW installiert, und - oh Wunder - mit dem gleichen Ergebnis wie auf dem Server. Auch hier war danach die vorher funktionsfähige NT-Software auf magische Weise ausgelöscht.
Abhilfe: Der Techniker, der den reparierten Server vorbeibringt, kennt sich laut Lieferant Y gut mit USVs aus!

Server - neuer Versuch

Der Server kommt wieder, mit neuem Prozessorboard. Rein ins Rack, einschalten, und siehe da : Er geht! Einzig einige fehlende oder falsche Kabel trüben noch das Bild, aber prinzipiell ist der Server bereit, sein Betriebssystem zu empfangen.

Inzwischen war der Klimatechniker da, denn das Drehen an dem Temperaturregler im Serverraum brachte keine Kühlung. Was auch ganz klar war, denn der Klimamensch eröffnete, das von der einstmals vorhandenen Klimaanlage nur noch eben dieses Rädchen übrig geblieben sei. Naja, da wird erst mal ein Kostenvoranschlag nötig sein, bevor die Kühlung kommt.

USV - neuer Versuch

Nach diesem Erfolg noch schnell die USV in Betrieb nehmen. Dummerweise erhält der Techniker die gleichen Ergebnisse wie vorher - hab ich doch kein Fehler gemacht. Nach einigem Hin und Her bleibt der Anruf bei dem Hersteller der USV, bzw. der Servicenummer. Diese haben eine Lösung in Form eines FAXes und einer E-Mail, die gerade für NT einige kleine, aber lebenswichtige Informationen beinhalten. Warum die nicht bei der USV liegen, ist aus der Hotline nicht raus zu bekommen. Vermutlich ist NT ein exotisches System, oder die Firma hat mit der Telekomgesellschaft ein Abkommen, denn natürlich gibt es an der Hotline die schönen musikalisierten Warteschleifen. (Früher gab es das öde Besetztzeichen, oder es klingelte bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, aber das war dann - wie auch der Anruf - umsonst!)

Mit diesen Informationen und etwas Spucke läuft dann die USV auch wie es sich gehört. Und läßt sich vom Server aus wunderbar managen. Von meinem PC aus ? Immer langsam! So weit sind wir (noch) nicht!

RAID 1

Der Server verfügt natürlich auch über ein RAID-Set, was sehr schön und schnell eingerichtet war. Um nun zu sehen, was im Ernstfall zu tun ist, habe ich im Betrieb eine Platte raus gerissen. (Zähne zusammen, Augen zu und raus damit!) Das klappte auch wunderbar, das RAID-Set lief weiter, die Daten waren ansprechbar. Toll! Die Platte einfach wieder reinzuschieben fand ich zu einfach, erst sollten alle Daten runter, damit der Controller sie als "neu" erkennt. Das ist bei einer richtigen neuen Platte ja auch der Fall!
Also die Platte in den anderen Server, der erkannte beim Booten auch gleich eine weitere Platte, und wir einigten uns auf eine neues logisches Laufwerk. Und dann wurde die Platte formatiert. Als nächstes den Server runterfahren, Platte raus, und rüber in den Anderen. Denkste. Nach Entnahme der Platte wollte der Server erst mal, das die entsprechenden Fehlermeldung bestätigt wurde. Und zwar bei jedem Neustart. Ärgerlich, wenn so was am Wochenende passiert. Oder Abends, wenn keiner da ist, um die Taste zu drücken. Na, dachte ich, dann löschen wir mal das Laufwerk, und dann ist die Meldung auch weg.
Leider ließ sich das Laufwerk nicht löschen. Keine Chance. Auch nicht mit dem On-Board-Programm auf dem Kontroller. Und auch nicht nach einem Anruf bei der Firma X. Löschen geht nicht. Was geht ist das Löschen der ganzen Informationen auf dem Kontroller, und dann alle Platten wieder neu eintragen. Aus sicherheitsgründen aber Vorher unbedingt einen Backup der Daten machen!
Die Begeisterung über diese Lösung hielt sich natürlich in Grenzen, aber da an dem Server nur zwei Platten ohne großer SW drauf waren, habe ich diesen Weg beschritten. Die Daten waren nach dem großen Löschen übrigens noch da!

Eine "nette" Überraschung brachte der gleiche Test an dem Server mit dem RAID-System. Nach einem Reboot mit fehlender Platte wollte der auch, das vor dem Start von NT eine Taste gedrückt wird. Auf die Misere machte er mit einem durchdringenden Piepsen aufmerksam. Nur schade, das so die eventuell vorhandene Management-Software unter NT nicht zum Zuge kommt. Aber auf diese Art sparen wir das Geld für so eine teure Software.

USV zum Dritten

Inzwischen ist die USV an dem großen Serever schön und schnell eigerichtet - mit allen Unterlagen kein Problem. Der kleine Server will aber nicht mehr. Anscheinend habe die ganzen Versuche an dem die COM-Schnittstellen so verstellt, das sie nicht mehr ansprechbar sind. Selbst längeres Abschalten nützt nichts, die SW will nicht mehr mit der USV sprechen.
Ohne langes Zögern habe ich den Server neu installiert, und jetzt geht auch hier die USV problemlos. Wenn alle Treiber für den Server in der NT-Installation drinn wären, könnte die Installation noch schneller gehen!

Jukebox

Zum Umfang des Servers gehört auch eine MO-Jukebox. Das Ding erinnert mich mehr an einen Waschautomaten, nur das der Münzeinwurf etwas groß geraten ist. Musik ist natürlich keine zu hören - schon aus dem Grund, daß das beigelegte Kabel nicht funktioniert! Es passt zwar auf den externen Anschluß am Server, und auch auf den an der Jukebox, aber die Box meint beim einschalten, das mit dem SCSI etwas nicht stimmt, und der Kontroller im Server findet sie nicht.
Nun verfügt die Jukebox über zwei Anschlußmöglichkeiten, einen "single ended HD 50" wie er bei dem Marktführer verwendet wird, und einen "differential". Es ist wohl müßig zu berichten, das der Anschluß am "differential" nicht funktioniert hat! Und das passende Kabel für den On-Board Controller zu bekommen, dauerte eine Weile!

RAID 2

Die Berater der Firma X waren da. Das der Kontroller beim booten anhält, wenn eine Platte fehlt, sei ein Feature, und kein Bug! Darüber kann man geteilter Meinung sein, ich finde, der kann zwar schreien, und von mir aus auch eine Meldung bringen, aber dann bitte schön doch booten! Denn das RAID-Set ist ja beim fehlen einer Platte nach wie vor funktionsfähig. Naja - ich glaube nicht an einen Bios-update, aber ein Funke Hoffnung bleibt.

Das Managen über Netz geht jetzt auch, da hat nur etwas Information gefehlt. Nach dem Namen des Servers muß in einer Datei unbedingt noch ein <CR><LF> rein - sonst geht es nicht. 

Resume

Eine Serverinstallation ist ein Ereigniss, das eigentlich in einem großen Saal vor viel Publikum durchgeführt werden sollte. Warum ?

  1. Gute Unterhaltung
  2. Eventuell kann einer der Zuschauer etwas beitragen
  3. Der Frust verteilt sich gleichmäßig
  4. Es kommen keine Fragen mehr wie "Wann ist der Server denn Fertig" ?

Hinweis

Eventuelle Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Firmen sind natürlich rein zufällig und in keinster Weise beabsichtigt! Sollten Sie ähnliches erlebt haben, oder mir noch etwas bevor stehen, dann schicken Sie mir doch mal eine Nachricht!

 


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g.m., 15.09.06